Update zum Befragungsinstrument Gute Arbeit für Solo-Selbstständige

Das Haus der Selbstständigen (HDS) – ein Projekt von INPUT – will gemeinsam mit interessenpolitischen Initiativen und Verbänden Gute Arbeit für Solo-Selbstständige voranbringen. Die Entwicklung und Erhebung eines Befragungsinstruments Gute Arbeit für Solo-Selbstständige zur Messung der Arbeitsqualität aus Sicht dieser Erwerbstätigengruppe ist ein entscheidender Schritt auf diesem Weg. Dabei interessieren wir uns auch dafür, inwiefern die Digitalisierung die Arbeitsbedingungen und -qualität verändern. In unserem Blogbeitrag von Juli 2023 haben wir bereits einen ersten Einblick gegeben, nun ist es Zeit für ein Update.

Wie der DGB-Index Gute Arbeit, an dem wir uns orientiert haben, soll auch das Befragungsinstrument Gute Arbeit für Solo-Selbstständige ein wissenschaftliches und politisches Instrument sein, indem es Daten erhebt, aus denen sich Argumente für politische Forderungen ableiten lassen. Da sich die Arbeits- und Erwerbsbedingungen Solo-Selbstständiger von jenen abhängig Beschäftigter erheblich unterscheiden, bestanden Anpassungs- und Ergänzungsbedarfe der Items der ursprünglichen DGB-Index- und Schwerpunktfragebögen zur Digitalisierung. Es mussten die Ressourcen und Belastungen sowie Vergütungs- und Absicherungsfaktoren, die für Solo-Selbstständige von Bedeutung sind, identifiziert und das Erhebungsinstrument entsprechend angepasst werden. Ein entscheidender Unterschied besteht in der fehlenden Einbindung in betriebliche Kontexte und somit der Möglichkeit, auf soziale und organisationale Ressourcen zurückzugreifen. Ein wesentlicher Anpassungsbedarf ergibt sich ferner aus der Tatsache, dass die selbstständige Tätigkeit in besonderem Maße in den Markt- und Produktkontext eingebettet ist. Aus diesem leiten sich Handlungs- und Gestaltungsspielräume, aber auch Einschränkungen ab. Dazu zählen beispielsweise Faktoren wie Auftragslage, der Wettbewerbsdruck und geltende Regulierungen.

Damit wir mit dem Index messen, was wir messen wollen und das politische Potenzial, das wir in ihm sehen, auch genutzt wird, haben wir den Entwicklungsprozess des Fragebogens so konzipiert, dass wir Solo-Selbstständige, Verbandsvertreter*innen und andere Stakeholder mit ihrer Expertise in die Entwicklung einbeziehen. Eine erste Anpassung des Hauptfragebogens sowie des Schwerpunktfragebogens zur Digitalisierung gelang auf Grundlage bisheriger arbeitswissenschaftlicher sowie soziologischer Forschungsbefunde. Mit Hilfe von Interviews mit Solo-Selbstständigen aus verschiedenen Berufsgruppen sowie Expert*innen aus der Gewerkschafts- und Verbandsarbeit, die wir im Herbst 2023 führten und die darauf zielten, mehr über Digitalisierungsprozesse und die Bedeutung von KI für die solo-selbstständige Arbeit zu erfahren, konnten wir zusätzliche Items für den Fragebogen entwickeln. Im Rahmen von Fokusgruppendiskussionen mit Solo-Selbstständigen und Verbandsvertreter*innen, die im Februar und März dieses Jahres stattfanden, haben wir geprüft, ob die Fragenauswahl in den Bereichen Ressourcen, Belastungen, Einkommen und Sicherheit sowie Digitalisierung die Arbeits- und Erwerbsrealitäten von Solo-Selbstständigen abbildet und besprochen, wo Frageformulierungen geschärft werden müssen und wie der Aufbau des Fragebogens gestaltet sein sollte. Wir waren beeindruckt und sind sehr dankbar für das Engagement und den Beitrag der Teilnehmenden, die sich mit uns in den Prozess begeben und mitgedacht haben.

Nun sind wir dabei, den großen Fragenpool, den wir gemeinsam erarbeitet haben, auf einen handhabbaren Umfang zu reduzieren. Schließlich stehen noch Feedbackrunden mit Expert*innen an, u.a. vom Institut DGB-Index Gute Arbeit, um den Fragebogen zu finalisieren. Wir freuen uns sehr über das Interesse und die Unterstützung.

Schließlich soll der Fragebogen programmiert und auch noch einmal von Solo-Selbstständigen auf Verständlichkeit und Stolpersteine getestet werden. Im Sommer wird die bundesweite Online-Umfrage dann voraussichtlich starten. Die Auswertung ist zum Ende des Jahres geplant.

In den anschließenden Analysen werden wir die Arbeitssituation von Solo-Selbstständigen und die von ihnen erlebte Qualität ihrer Arbeitsbedingungen öffentlich sichtbar machen. Die Erkenntnisse dienen zum einen der Weiterentwicklung der Angebote des Projekts Haus der Selbstständigen. Zum anderen sollen die Ergebnisse aber v.a. den Verbands- und Gewerkschaftsvertreter*innen der Solo-Selbstständigen in ihrer politischen Arbeit nützen, in dem sie Ansatzpunkte zur Gestaltung Guter Arbeit für Solo-Selbstständige aufzeigen.

 

(Bildquelle: pexels)

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