Branchenanalyse Games: Ein Blick hinter die Kulissen einer Wachstumsbranche
Die Games-Industrie gilt als junger, dynamischer Wirtschaftszweig mit erheblichen Wachstumsperspektiven. Mehr als die Hälfte der Menschen spielen hierzulande Computerspiele – am PC, mit der Spielekonsole oder auf dem Smartphone. Spiele wie Super Mario, Minecraft oder Pokémon haben auch über die Gaming-Szene hinaus Bekanntheit erlangt. Mit einem Marktvolumen von rund 4,5 Milliarden Euro ist Deutschland weltweit der fünftgrößte und in Europa der größte Absatzmarkt für Computerspiele und Hardware. Doch als Entwicklungsstandort spielt Deutschland trotz der mehr als 900 Gaming-Unternehmen mit rund 12.000 Beschäftigte international nicht in der ersten Liga. Die großen Player heißen Sony, Nintendo (Japan), Tencent, NetEase (China) sowie Activision Blizzard/Microsoft oder Electronic Arts (USA). In Europa spielen insbesondere Ubisoft (Frankreich), Embracer (Schweden) und CD Projekt (Polen) eine bedeutende Rolle. Aus Sicht von Unternehmen und Politik soll sich das ändern und Deutschland auch als Entwicklungsstandort gestärkt werden. Entsprechend wir die Produktion von Computerspielen – die auch als Kulturgut anerkannt sind - öffentlich gefördert.
Neben den ökonomischen Entwicklungen stehen Arbeitsmarkt, Beschäftigungsbedingungen und Einkommensstrukturen der Branche im Fokus unserer Branchenstudie. Aus Presseberichten und der gewerkschaftlichen Praxis ist bekannt, dass viele Beschäftigte in der Games-Industrie mit vergleichsweise niedrigen Löhnen, unsicheren Beschäftigungsverhältnissen und hoher Arbeitsbelastung konfrontiert sind – insbesondere in den berüchtigten „Crunch“-Phasen am Ende von Entwicklungszyklen. Unsere bisherigen Ergebnisse bestätigen dies, sie zeigen jedoch auch deutlich: Betriebsräte leisten einen wichtigen Beitrag, um Arbeitsbedingungen zu verbessern und Arbeitsintensivierung zu reduzieren. Gerade weil die Branche von kleinen Entwicklungsstudios geprägt ist, ist die Gründung betrieblicher Interessenvertretungen allerdings herausfordernd – aber auch Dank gewerkschaftlicher Unterstützung von ver.di zunehmend erfolgreich.
Für die Branchenanalyse kombinieren wir qualitative und quantitative Methoden. Wir führen Expert*inneninterviews mit Beschäftigten, Betriebsrät*innen und ver.di-Vertreter*innen durch. Gleichzeitig werten wir Daten aus einer Befragung mit dem DGB-Index Gute Arbeit aus, die wir im Auftrag von ver.di in der Informations- und Kommunikationstechnologiebranche – einschließlich der Games-Entwicklung – erhoben haben.
Unsere bisherigen Ergebnisse zeigten: Die Games-Branche hat großes Potenzial. Doch um nachhaltig erfolgreich zu sein, braucht sie gute Arbeitsbedingungen – und starke Mitbestimmung.